Es gibt gute Tage und es gibt schlechte Tage und dann gibt’s da noch die fiesen Tage. Letztens hatte ich so einen fiesen Tag. Wahrscheinlich bin ich schon mit dem falschen Bein aufgestanden, obwohl ich nicht an falsche Beine glaube, höchstens an cellulitefreie Beine. Doch dieser Glaube lässt einen auch öfters im Stich – item.
Nach einem Wochenende in Basel fuhr ich wieder nach Hause ins Engadin. Am nächsten Tag musste ich in Bever am Engadiner Sommerlauf arbeiten. Ich nahm gegen Abend den IC nach Chur, um danach nochmals eindreiviertel Stunden in der legendären Rhätischen Bahn verbringen zu dürfen. Die tuckert dann friedlich und ganz gelassen über Berg und Tal, und fühlt sich dabei an wie eine alte Waschmaschine im Endschleudergang. Als der Zug in Landquart einfuhr, kam die übliche Durchsage: „Umsteigen in Richtung Davos, Klosters, Scuol-Tarasp und St. Moritz.“ Eine leise Vermutung liess mich da schon ahnen, dass ich vielleicht hier umsteigen sollte und nicht wie gewöhnlich in Chur. Ich ging deshalb auch kurz zur Tür raus, um mich zu vergewissern und schaute mich nach einem SBB-ler um. Der einzige den ich sehen konnte, pfiff gerade den „Zurabfahrtbereitpfeifer“. Ich entschied mich kurzerhand weiter nach Chur zu fahren und dort, wie gewöhnlich, umzusteigen. Ich glaubte mich vage daran zu erinnern, dass der letzte Zug in Richtung St. Moritz um Zehn fährt, und ich würde zehn Minuten vorher ankommen. Doch das mit dem Glauben ist so eine Sache. Man glaubt zu glauben, doch hofft man eher. Als ich in Chur ankam, erwarteten mich nur leere Anzeigetafeln, mit einer Ausnahme – dem Zug zurück nach Basel. Na gut, es war Zehn, ich sass in Chur, kam nicht weiter und musste am nächsten Tag um zehn Uhr morgens zur Arbeit. Dazu kommt, dass ich gerade mal noch siebzehn Franken hatte und der Akku meines Handys leer war. Ich konnte also kein Hotel nehmen, geschweige denn den Zug am nächsten Morgen bezahlen. Jemanden anrufen, der jemanden in Chur kennt, bei dem ich allfällig hätte übernachten können, ging auch nicht, da ich ja keinen Akku hatte. Mir blieb also nichts anderes übrig, als mit dem letzten Zug wieder zurück nach Basel zu fahren und ein Taxi zu meiner Mutter nach Hause zu nehmen - welches wohlgemerkt exakt siebzehn Franken kostete. Zu guter Letzt habe ich dann am nächsten Morgen verschlafen und bin schlussendlich mit einer Verspätung von zweieinhalb Stunden in Bever angekommen – wohl bekomm das Butterbrot!
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