Mittwoch, 21. Oktober 2009

Tage mit Lizenz

Es gibt viele Möglichkeiten die berüchtigten Tage der Frau zu umschreiben. Manche sprechen von der roten Welle, andere wiederum vom lästigen Besuch von Tante Rosa und nochmals andere von „du weißt schon was, das was Frauen halt so haben, ab und an und halt einfach so eben“. Aber eigentlich möchte ich gar nicht davon sprechen, denn diese Tage sind nicht sonderlich spannend. Da bluten wir nur noch gemütlich vor uns hin, manche mit mehr und manche mit weniger starken Bauchkrämpfen. Viel spannender sind die Tage kurz davor. Das sind nämlich die, in denen wir Frauen zugegebenermassen tatsächlich ein klein wenig empfindlicher und unmöglicher sind als sonst. Während dieser Zeit muss man unser komisches Verhalten einfach hinnehmen und darf nichts, das aus unserer Klappe rausgeschossen kommt, persönlich nehmen. Ansonsten ist man selbst schuld, denn wir haben die Lizenz zum komisch sein und nicht persönlich genommen zu werden. Zum Beispiel kann es bei mir durchaus zu unkontrolliertem Schluchzen und groben Beschimpfungen kommen, wenn der am Morgen von mir so dringend benötigte Kaffee mit vergammelter Milch verseucht wurde, ohne dass diese vorher auf ihre Haltbarkeit getestet worden war. Und wenn es sein muss, mache ich auch vor mir selbst nicht Halt. Auch wenn ein Einfrau-Streitgespräch für Dritt- respektive Zweitpersonen sicherlich komisch aussehen muss – aber das ist mir dann egal.

Als Zückerchen obendrauf kommen zu unserem crazy Hormonhaushalt dann auch noch äusserliche Veränderungen dazu – sprich wir kriegen Riesenmöpse. Auch wenn wir immer wieder mit wachsender Freude zuschauen, wie sich unsere Brüste aufblasen, lange hält die Freude nicht an: Die prallen Dinger haben nämlich eine maximale Lebensdauer von nur sieben Tagen. Und vor allem tun sie weh wie die Sau. Und das, liebe männliche Leserschaft, wirkt sich wiederum auf unsere Stimmung aus.

Also wenn eure Freundin, Frau, Ex, Schwester, Tochter, Nichte, Chefin, Kollegin oder was auch immer wieder einmal rumzickt, beschuldigt sie nicht, ihre Tage zu haben. Denn erstens stimmt es nicht; sie steht erst kurz davor. Und zweitens, falls es doch stimmen sollte, habt ihr sowieso verloren, denn sie hat die Lizenz - Baby!

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Erwachsenenbildung

Dass mein letztes Studienjahr anders aufgebaut ist, war mir klar, jedoch nicht, dass ich vier Wochen benötige, um es zu begreifen. Neu haben wir keine der zahlreichen Gruppenarbeiten mehr, in denen wir Fallbeispiele lösen müssen, Nein, jetzt haben wir dutzende PBL-Sessions, in denen wir unsere Lernfragen definieren. Wobei PBL für “problem based learning“ steht und mindestens genauso viele Probleme verursacht, wie eigentlich gelöst werden sollten. Selbst zu bestimmen, was wir lernen wollen und wie viel Zeit wir dafür benötigen, respektive investieren wollen, klingt ja ganz nett, doch komischerweise kommt diese Lernmethode nicht ganz so gut an, wie vermutet. Als wir dann auch noch von zu Hause aus kommunizieren mussten, löste das geradezu protestartige Aufstände aus. Wir sollten nach einer Vorlesung nach Hause gehen, uns in den Chat unseres Studienportals einloggen und in Gruppen von jeweils acht Studis virtuell über unsere Lernfragen diskutieren und im Internet nach Quellen/Lernstoff suchen. Ich bin keine langsame Leserin, aber die Kommentare lesen, selber welche schreiben, recherchieren, sowie noch lauthals über die sinnlose Zeitverschwendung abfluchen, ist dann doch zu viel. Auf meine Frage an den Dozenten, ob ein runder Tisch nicht effektiver wäre, antwortete er, man könne dann nicht gleichzeitig im Internet recherchieren – Hallo? Auf jeden Fall plädiere ich für die gute alte Methode: Ihr sagt uns was wir lernen sollen und bis wann – dann kommt’s meistens auch irgendwie gut. Wer ist bloss auf die bescheuerte Idee gekommen im letzten Jahr den Studenten noch neue Lernmethoden verinnerlichen zu wollen?

Nichts desto trotz frage ich mich woher dieser innerliche Widerstand neuen Lernmethoden gegenüber eigentlich kommt. Sind wir nicht mehr anpassungsfähig? Eigentlich sollten wir doch Himmel hoch jauchzend aufschreien, endlich wie mündige Erwachsene behandelt zu werden, die über Selbstdisziplin verfügen, wissen was sie lernen wollen und es auch wirklich tun. Immerhin sprechen wir hier über Erwachsenenbildung, oder? Aber nein, wir verlangen förmlich danach, dass uns alles vorgelegt wird wie in der Primarschule. Spätestens wenn es dann aber um die Präsenzenregelung geht, reden wir wieder von Erwachsenenbildung - tja so ist das Studileben.