Mittwoch, 7. Oktober 2009

Erwachsenenbildung

Dass mein letztes Studienjahr anders aufgebaut ist, war mir klar, jedoch nicht, dass ich vier Wochen benötige, um es zu begreifen. Neu haben wir keine der zahlreichen Gruppenarbeiten mehr, in denen wir Fallbeispiele lösen müssen, Nein, jetzt haben wir dutzende PBL-Sessions, in denen wir unsere Lernfragen definieren. Wobei PBL für “problem based learning“ steht und mindestens genauso viele Probleme verursacht, wie eigentlich gelöst werden sollten. Selbst zu bestimmen, was wir lernen wollen und wie viel Zeit wir dafür benötigen, respektive investieren wollen, klingt ja ganz nett, doch komischerweise kommt diese Lernmethode nicht ganz so gut an, wie vermutet. Als wir dann auch noch von zu Hause aus kommunizieren mussten, löste das geradezu protestartige Aufstände aus. Wir sollten nach einer Vorlesung nach Hause gehen, uns in den Chat unseres Studienportals einloggen und in Gruppen von jeweils acht Studis virtuell über unsere Lernfragen diskutieren und im Internet nach Quellen/Lernstoff suchen. Ich bin keine langsame Leserin, aber die Kommentare lesen, selber welche schreiben, recherchieren, sowie noch lauthals über die sinnlose Zeitverschwendung abfluchen, ist dann doch zu viel. Auf meine Frage an den Dozenten, ob ein runder Tisch nicht effektiver wäre, antwortete er, man könne dann nicht gleichzeitig im Internet recherchieren – Hallo? Auf jeden Fall plädiere ich für die gute alte Methode: Ihr sagt uns was wir lernen sollen und bis wann – dann kommt’s meistens auch irgendwie gut. Wer ist bloss auf die bescheuerte Idee gekommen im letzten Jahr den Studenten noch neue Lernmethoden verinnerlichen zu wollen?

Nichts desto trotz frage ich mich woher dieser innerliche Widerstand neuen Lernmethoden gegenüber eigentlich kommt. Sind wir nicht mehr anpassungsfähig? Eigentlich sollten wir doch Himmel hoch jauchzend aufschreien, endlich wie mündige Erwachsene behandelt zu werden, die über Selbstdisziplin verfügen, wissen was sie lernen wollen und es auch wirklich tun. Immerhin sprechen wir hier über Erwachsenenbildung, oder? Aber nein, wir verlangen förmlich danach, dass uns alles vorgelegt wird wie in der Primarschule. Spätestens wenn es dann aber um die Präsenzenregelung geht, reden wir wieder von Erwachsenenbildung - tja so ist das Studileben.

2 Kommentare:

  1. Was hast du bloss gegen Bildung am Compi? Wie schon Dieter Hildebrandt sagte: Bildung kommt von Bildschirm, nicht von Buch, sonst müsste es ja Buchung heissen...

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  2. Mädel, du sprichst mir wieder mal ausm <3-en.

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