Mittwoch, 18. November 2009

Eine Schreibblockade zum Frühstück

Über was soll man schreiben, wenn man nicht weiss, was man schreiben soll? Genau. Darüber. Heute schreibe ich über meine erste offizielle Schreibblockade. Ein weiteres Erstes Mal in meiner, doch noch jungen, Lebensgeschichte.

Eigentlich bin ich jetzt schon fertig, denn es fällt mir nichts annähernd intellektuell anregendes oder überhaupt erwähnenswertes mehr ein. Doch ich gebe nicht auf und begebe mich deshalb in die Problemanalyse, also gehe somit den Ursachen meines Kreativitätsstaus auf den Grund. Ich habe auch schon eine leise Vermutung woher dieser stammt; und das ist nicht wie manch einer jetzt sicher behaupten möge von meiner Zahnpasta. Aufgrund des darin enthaltenen Fluors soll die Zahnpasta anscheinend mein drittes Auge im Gehirn austrocknen und so meine Kreativität zerstören. Nein, ich behaupte es kommt von meinem kürzlichen Selbstversuch: Meinem selbstauferlegten Kaffeeverbot. Ich habe von durchschnittlich vier Tassen Kaffee pro Tag auf null Tassen reduziert. Neun lange Tage, minus ein kleiner Espresso, habe ich die Qual schon ausgehalten. Und ich bin stolz darauf, dass ich dabei keine unkontrollierten Ausbrüche zu verzeichnen habe. Erstaunlicherweise, hat sich mein Bedürfnis nach Kaffee gleichzeitig mitreduziert. Und ich dachte das geschähe alles ohne Nebenwirkungen – tja falsch gedacht. Mein drittes Auge ernährt sich nämlich von Kaffee und ist nun akut am verhungern. Mir bleibt also nur die Wahl zwischen Kaffee zum Frühstück oder einer Schreibblockade – tough call.

Mittwoch, 4. November 2009

Ich schweige, du schweigst, wir schweigen

Neulich war ich bei der Friseuse - ja Papa, sie hat diesen Beruf gelernt. Voller Vorfreude und ein klein wenig Bammel vor dem Ergebnis stolzierte ich in den Salon. Ich war ein wenig zu früh und musste noch kurz auf die nette Dame warten, die mir die Haare schneiden sollte. Coiffeurbesuche sind so eine Sache: Ich liebe es hinzugehen, doch hasse ich es dort zu sitzen und keine Ahnung zu haben, über was ich mich mit der Frisurentante unterhalten soll. Bekanntlich sind sie ja allesamt Quassel-Barbies und ich habe jedes Mal ein schlechtes Gewissen, wenn ich nichts sage und sie auch nicht und dann diese Stille herrscht - genau diese Stille. Das ist das Schlimmste. Ich werde immer ganz unruhig und würde eigentlich gerne in der ‚Gala’ blättern, die vor mir liegt, und die Friseuse einfach das machen lassen, was sie machen muss. Aber das geht ja auch nicht, weil dann ihr Beruf ziemlich frustrierend wäre. Du hast täglich Kontakt mit Menschen, die dich anschweigen oder auf deine Frage, was du beruflich machst, in zwei Worten antworten: „Ich studiere!“, und dann, den Kopf senkend, wieder weiter schweigen. Ich weiss, es gibt da Ausnahmen, die mit jeder Coiffeuse oder schwulem Coiffeur sofort über Angelinas Adoptionswahn sprechen können, und dass Brad viel besser zu Jennifer gepasst hatte. Aber seien wir mal ehrlich, wenn es nicht gerade deine Stammfriseuse ist, von der du weisst, bei welchem Frauenarzt sie ihre Spirale hat setzen lassen, hast du ihr ja auch nicht wirklich viel zu sagen. Und in meinem Fall möchte ich sowieso nur, dass sie mir die Haare schneidet und alles weitere, ausser ein fetter Rabatt auf den Preis natürlich, ist mir ziemlich egal.

Dasselbe gilt für Taxifahrer. Ich bin froh, dass sie jemand erfunden hat, aber auch sie sollen einfach ihren Job tun und mich bitte nur nach Hause fahren. Kürzlich waren meine armen Füsse wieder einmal froh. Das hiess aber nicht gleichzeitig, dass es mich interessiert hätte, dass der Bruder meines türkischen Fahrers in seiner Heimat als Serienstar gross rauskommen könnte und dafür, ausser schön zu sein, überhaupt nichts tun müsse. Ich hatte auch keine Lust, schon gar nicht auf dem Beifahrersitz, seine Plapperweisheiten anzuhören. Etwa, dass er sich nie wieder auf leeren Bauch vollaufen lassen werde, weil es das letzte Mal zu einer Alkoholvergiftung geführt und im Spital geendet hatte.

Ich gebe zu, ich bin vielleicht zu oft gleichgültig gegenüber anderen, aber ich brauche es nicht, mich mit aller Welt zu unterhalten. Sei es im Ausgang, beim Friseur oder im Taxi. Früher hat es mich gestört, dass mich Leute deswegen für arrogant gehalten haben. Heute ist es mir egal und ich mache ein Spiel daraus: Ich schweige, wir schweigen, ich beobachte, wir schweigen weiter, ich bezahle und schreibe am Schluss darüber – so einfach.