Mittwoch, 21. April 2010

I'm no Barbie girl

Ich bin damit aufgewachsen, Wünsche ins Universum zu schicken. Den Meisten muss es dort so gut gefallen haben, dass sie auch gleich geblieben sind. Ich warte jedenfalls immer noch auf mein Barbie Traumschiff und die Kinderküche aus dem Spielzeugkatalog.

Meine Mutter pflegte zu sagen: „Du musst deine Wünsche visualisieren und sie dir klar vor Augen halten.“ Toll gesagt, doch ich hatte das Barbie Traumschiff sehr wohl visualisiert und mir mit dem Mixer auf dem Oberdeck in Gedanken schon die abgefahrensten Shakes gemixt. Im Nachhinein muss ich sagen, ich hätte mir das Traumschiff genauso gut auf die Stirn klatschen und das Universum mit Wünschen bombardieren können, ich hätte es sowieso nie bekommen. Denn es widerstrebte den idealistischen Wertvorstellungen meiner lieben Frau Mamma, mir ein Traumschiff von Barbie zu kaufen, doch spielen durfte ich damit. Ich und meine Schwester hatten sogar ein paar Barbie-Puppen, allerdings nur second hand von unseren Italo-Freundinnen, bei welchen zu Hause das gesamte Barbie Sortiment vertreten war. Wenn es für den neusten Bauarbeiter Ken und die Meerjungfrau Barbie neuen Stauraum brauchte, bekamen wir ihre Auslaufmodelle geschenkt. Das war ok, nur selber kaufen ging nicht.

Dieselbe Logik verfolgte meine Mutter zu meinen Teenager Zeiten weiter. Zum Beispiel durfte ich mir nichts zu kiffen kaufen – logisch – ich sollte es lieber selber anbauen. Zu ihren Zeiten hatte das Anbauen von Marijuana noch eine politische Note und zudem weiss man heute auch nicht mehr, was da wirklich drin ist – auch wahr. Doch sie hatte sich noch selber getoppt: Als ich sechzehn war, hat sie mir, anstatt an Parties zu gehen und Geld auszugeben (in ihren Augen völliger Blödsinn), allen Ernstes empfohlen, Häuser zu besetzen. Was für eine Alternative.

Heute spiele ich nicht mehr mit Barbies und baue auch kein Gras an. Dafür sende ich immer noch unermüdlich Wünsche ans Universum – ohne Erfolg.

Mittwoch, 31. März 2010

Pausenzeit

Was soll man tun, wenn man nicht weiss was tun? Nichts? Alles? Spielt es überhaupt eine Rolle, was man tut? Man hätte ja sonst auch nicht gewusst, was man Anderes hätte tun können? Dann kann man ja auch tun, was man will, oder? Ich finde Ja. Und darum mach ich jetzt auch was ich will und zwar; mal Pause!

Mittwoch, 17. März 2010

Ritsch, Ratsch - Autsch!

Heute war ich beim Brazilian-Waxing. Nach drei Anläufen mit spontanem Kneifen, habe ich mich nun endlich getraut. Verdammte Scheisse tut das Weh. An gewissen Stellen ganz besonders. Dann fühlt es sich in etwa so an, als würde sie dir den gesamten Genitalbereich wegreissen. Eine Wurzelbehandlung ohne Narkose stelle ich mir angenehmer vor. Die Kosmetikerin kann dann noch so eine nette Dame sein mit der man wunderbar tratschen kann. Sie wird automatisch bei jedem Wegreissen eines Streifens kurzzeitig zu einer blöden Schlampe. Vielleicht bin ich ein wenig schmerzempfindlicher als andere, aber ich habe dabei sogar eine Erfahrung mit Gott gemacht. Nämlich: Es kann ihn gar nicht geben. Der wäre nämlich bestimmt so fortschrittlich, dass er alle Frauen heutzutage ohne lästige Haare an unnötigen Stellen auf die Welt kommen lässt. Die lassen diese dann eh wieder entfernen. Selbst wenn sie dabei Schmerzen in Kauf nehmen müssen, sie bezahlen auch noch dafür. Und Schmerz ist nicht Gottes Wille, soviel ich weiss, sollte es zumindest nicht sein. Und dass Haare zum Schutz da sein sollen, ist uns Scheissegal. Diese Dinger müssen weg. Alle. Ohne Ausnahme. Und mit allen Mitteln.

Also falls es dich, lieber Gott, wider meiner momentanen Vorstellungskraft, doch geben sollte, sei so nett und verschone zumindest alle neugeborenen Mädchen von diesen lästigen Taugenichtsen an allen unerwünschten Stellen. Wir brauchen nur die auf dem Kopf. Die Augenbrauen und Wimpern kannst du uns natürlich auch lassen. Das würde sonst ein bisschen komisch aussehen - sehr komisch sogar.

Mittwoch, 3. März 2010

Flieg Vogel flieg

Fliegen war noch nie meine Lieblingsbeschäftigung, obwohl ich als Kind oft geflogen bin. Zwar nicht in die Ferien jedoch über Stühle, Spielzeug, in Türen, auf meine Füsse, auf die Fresse. Ich könnte mir vorstellen, dass dort die Wurzeln meiner Flugangst liegen. Schliesslich war Fliegen bisher meist mit einer Bruchlandung verbunden. Wieso soll ich mich also in einen Flieger setzen, der sowieso abstürzt, und das noch freiwillig? Ich weiss, dass in der Statistik Tod durch eine Kokosnuss wahrscheinlicher ist, als durch einen Flugzeugabsturz. Aber um von einer Kokosnuss erschlagen werden zu können, muss ich zuerst fliegen, weil die Viecher hier dummerweise nicht wachsen wollen wie zum Beispiel Kastanien, die zwar auch ein gewisses Gewicht haben, aber nicht mein Ableben verursachen können. Ich trage also mit einem Flug zur Kokosnuss ein doppeltes Risiko, ergo die Statistik kann mich mal.

Worauf ich aber eigentlich hinaus will ist, in zwei Tagen fliege ich wieder und diesmal wohin, und nicht wodrauf. Ich gehe auf den Abschlusstrip mit dem Studium. So schnell mal eine Woche Thailand mit eintägigem Zwischenstopp in Dubai ist angesagt. Tourismus Studenten haben es schon schön. Meine Grossmutter würde jetzt sagen: „Auso zu üsere Zyt si mr is Ämmitau ga brätle, flüge hei mr üs gar nid chönne leischte, s isch auso scho nümm s glichä.“ Ich mir auch nicht, Grosi, aber der Trip nach Thailand ist obligatorisch. Ich muss also mit – schön doof.

Meine anerzogene Flugangst hätte ich übrigens locker in den Griff bekommen, wären da nicht die Vorlesungen der letzten beiden Wochen gewesen. Thema: Krisenmanagement von Airlines. Auf diesem Weg noch ein grosses Dankeschön an die Modulleitung. Schöne Bilder und Videomaterial haben Sie uns da gezeigt, nur doof dass Ihre Statistiken in unserer subjektiven Wahrnehmung danach leider nicht mehr so viel zu sagen hatten. Wie auch immer, ich werds überleben, so oder so, entweder one step further oder six feet under.

Mittwoch, 3. Februar 2010

Schöner leben - Teil eins

Ich bin pleite. Und das schon eine ganze Weile. Ich habe genug davon, nicht in die Ferien fahren zu können, oder diese tollen Stiefel im Schaufenster neulich dort stehen zu lassen, da sie etwa meiner Monatsmiete entsprachen, oder mir vor dem Ausgang bereits zu Hause einen Rausch antrinken zu müssen, da ich mir auswärts keinen leisten kann. Deshalb habe ich mir einen Neujahrsvorsatz gefasst: Im 2010 werde ich nicht mehr Pleite sein. Das kann doch nicht so schwer sein. Mein erster Schritt dazu war: Ich bestellte mir eine Kreditkarte, eine kostenlose von Coop Supercard wohlgemerkt. Damit kann ich dann jedes Mal Superpunkte sammeln, ist das nicht toll? Ich habe mir auch schon Easyjet-Flüge rausgesucht, zwar noch nicht gebucht aber fest eingeplant, was für mich schon halb gebucht ist. Und die Stiefel habe ich mir auch schon von der Verkäuferin auf die Seite legen lassen. Mein Leben wird nun ganz anders. Nie mehr Rappen spalten, denn jetzt bekomme ich ja bald eine Kreditkarte und muss mich nicht mehr mit Kleingeld abgeben. Aber keine Sorge. Ich werde verantwortungsvoll damit umgehen. Schliesslich ist mir ja auch bewusst, dass Ende Monat ein schöner Brief reinschneien wird, um mir mal so richtig eins in die Fresse zu hauen. Und da ich Schläge nicht so gerne mag, schaue ich natürlich, dass diese dann nicht zu sehr weh tun.

Für mich schien alles perfekt und ich konnte den positiven Bescheid, zusammen mit meiner neuen besten Freundin aus Plastik, kaum erwarten. Doch mein Enthusiasmus war wohl grösser, als mein Kontostand. Nichts mit neuem besserem Leben. Nichts mit neuen perfekten Stiefeln. Und nichts mit Billigflugreisen mit Freundinnen, auf denen uns am Schluss das Gepäck gestohlen wird, wir deshalb den Rückflug verpassen und dann per Autostop nach Hause fahren müssen, da wir kein Bargeld mehr haben, weil wir ja alles an der Bar von sexy Emilio versoffen haben und die Kreditkarte natürlich im gestohlenen Rucksack ist. Nein, nichts von all dem wird passieren. Ade guter Vorsatz. Diese ollen Coopheinis meinen, ich erfülle mit meinem Studenteneinkommen nicht alle Kriterien zur Kreditwürdigkeit – zum Glück gibt’s ja noch M-Budget.

Wie steht Gott zu Alkohol?

Glaubensfragen sind heikle Fragen und geben doch die spannendsten Diskussionen. Ich bin vor kurzem in den Genuss eines solchen das Bewusstsein erweiternden Meinungsaustausches gekommen. Und das direkt vor meiner Wohnungstür. Ist das nicht toll? Ein paar Zeugen Gottes haben sich die Mühe gemacht an meine Haustür zu klopfen, mit dem Ziel mich Gott näher zu bringen – oder so. Na dann viel Glück, dachte ich. Ich glaube nicht an Gott in Form eines alten Mannes mit weissem Bart, der die Erde erschaffen hat und bestimmt wer in den Himmel und wer in die Hölle kommen soll. Und mit ein paar Versen aus der Bibel ändert sich das auch nicht so schnell zwischen Tür und Angel. Ich wollte mich daher zuerst gar nicht darauf einlassen, habe meine Meinung dann allerdings noch geändert. Ich dachte das könnte noch witzig werden. Und ehrlich gesagt, kam es mir auch gerade recht, denn ich sass schon viel zu lange an meinem Schreibtisch mit leerem Blick in den Bildschirm, doch mit der guten Absicht meinen Verpflichtungen als Studentin endlich nachzukommen, dass es schon fast ein bisschen peinlich wurde.

Ihre erste Frage war: Ob ich glaube, dass Jesus zurück kommt und uns alle rettet, bevor wir die Welt ganz zu Grunde richten? Das fängt ja schon gut an, dachte ich. Ich kann diese Haltung nicht verstehen; wir müssen keine Verantwortung für nichts übernehmen, da Gott uns vor allem Bösen schützt, wenn wir auch nur genügend „Ave Marias“ und „Vater unser“ sprechen. Wieso müssen wir uns auch, um unseren Planeten und die Menschen, die darauf leben, kümmern? Jesus kommt ja bald und biegt es wieder grade. Das bringt mich Gott etwa so nah, wie einem frisch explodierten Atomkraftwerk. Der Glaube an etwas ist im Grunde was Schönes und hilft vielen Menschen in schwierigen Zeiten. Doch die Bibel missbraucht diesen und schreibt einem vor wie man zu glauben hat, sodass Gott dich liebt und beschützt. Das ist doch scheisse. Wie der Rapper Greis so schön besingt: Wir sind zuständig für das, was passiert und bestimmen wies weitergeht. Und jeder der weiss, was passiert und sich nicht betroffen fühlt, ist Teil vom Problem. Viele weitere Weisheiten aus der Bibel und ein paar kleine bescheidene Rückfragen meinerseits später, hat die Dame dann eingesehen, dass ich wohl nicht zu den von „Gott Beschützten“ gehöre, und fand den Weg hinaus.

Nachdem sie gegangen war, fragte ich mich: Wieso klopfen eigentlich keine Atheisten an Haustüren? Das wäre mal was Neues. Dann würden vielleicht auch diese ignoranten, vom Pferd gefallenen, Sekt(en)-Flaschen einmal merken, dass sie lästig sind wie Essensreste zwischen zwei Backenzähnen. Selbst wenn es irgendwie seinen Reiz hat, zu schauen wie lange man benötigt, um diese Gottesgeschöpfe wieder loszuwerden und es einen Heidenspass macht sich auf sinnlose Diskussionen einzulassen. Diesmal dauerte es rund 15 Minuten bis zum Aus. Und zum Schluss habe ich sogar noch eine Broschüre bekommen, mit dem Titel: „Wie steht Gott zum Alkohol?“ Ich konnte es natürlich nicht lassen diesen Artikel zu lesen, in welchem so nette Sachen stehen wie: Trinker werden nicht in Gottes neue Welt kommen und die Bibel verurteilt Sauforgien und Fressgelage. Ich dachte immer Gott urteilt nicht? Mein Fehler.

Zum Schluss gab’s da noch so einen tollen Selbsttest mit dem Titel: Auf dem Weg zur Abhängigkeit? Konnte man eine oder mehrere Fragen mit Ja beantworten, sollte man vielleicht etwas unternehmen. Frage eins: Trinke ich öfter als früher? Ja. Trinke ich härtere Sachen? Ja. Greife ich zu Alkohol, um mit Problemen und Stress fertig zu werden? Kann vorkommen – na dann Prost und Amen.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Un Asciugamano per favore

Seit ungefähr einem Monat arbeite ich in einem Thermalbad im Engadin am Empfang. Im direkten Kontakt mit Menschen oder besser gesagt Italienern mache ich neben einfach verdienter Kohle auch so gewisse Beobachtungen. Dieser Studentenjob ist die ideale Feldforschung für Psychologen, Ethnologen und Sprachwissenschaftler, und nur zu empfehlen.

Vielleicht braucht es ein paar Hintergrundinformationen zum besseren Verständnis meiner Äusserungen: Das Engadin ist ursprünglich Romanisch sprechend, jedoch wird romanisch, soviel ich weiss, nur noch an der Grundschule unterrichtet und ansonsten spricht man hier schweizerdeutsch und nicht Italienisch wie unsere lieben Mailänderli offensichtlich annehmen. Um vorab noch eines klar zu stellen, ich spreche hier ausschliesslich über Norditaliener. Wie die Süditaliener das sehen, ist mir eigentlich scheissegal. Denn diese invadieren das Engadin in der Neujahrszeit nicht so penetrant wie die Comonesen und Milanesen, welche hier einmarschieren mit toten Pelztieren im Gepäck und ihrem unwiderstehlichen Charme, den sie allerdings jedes Mal im Hotelzimmer liegen lassen wenn sie aus dem Haus gehen.

Worauf ich hinaus will? Eigentlich weiss ich das auch nicht so genau. Vielleicht möchte ich nur ein bisschen Dampf ablassen, denn ich spreche kein Italienisch, aber das ist den Italienern egal. Sie quasseln einfach mal drauf los, und wenn man sie fragt ob sie Deutsch oder Englisch sprechen sagen sie Nein und schauen dich entsetzt an: „Wie können sie nur?“ Ich mag diejenigen am liebsten, die ins Bad kommen, mich auf Italienisch zutexten, und wenn ich dann, weil ich nichts verstanden habe auf Englisch weiterspreche, mir ins Gesicht sagen: „Sie können auch schweizerdeutsch mit mir sprechen.“ – Arschloch.

Grundsätzlich finde ich italienisch eine schöne Sprache und ich würde es wirklich gerne sprechen können, kann es aber einfach nicht. Doch nachdem ich seit einen Monat jeden einzelnen Italiener in seinem enthusiastischen Redefluss unterbrechen muss mit: „Eh inglese o tedesco?“ und dann noch halbentsetzte Blicke ihrerseits ertragen muss, hat diese Sprache für mich ein bisschen an Glanz verloren. Das positive an der ganzen Geschichte ist jedoch: Ich weiss jetzt das „Asciugamano“ Handtuch bedeutet - grazie mille.