Mittwoch, 6. Januar 2010

Un Asciugamano per favore

Seit ungefähr einem Monat arbeite ich in einem Thermalbad im Engadin am Empfang. Im direkten Kontakt mit Menschen oder besser gesagt Italienern mache ich neben einfach verdienter Kohle auch so gewisse Beobachtungen. Dieser Studentenjob ist die ideale Feldforschung für Psychologen, Ethnologen und Sprachwissenschaftler, und nur zu empfehlen.

Vielleicht braucht es ein paar Hintergrundinformationen zum besseren Verständnis meiner Äusserungen: Das Engadin ist ursprünglich Romanisch sprechend, jedoch wird romanisch, soviel ich weiss, nur noch an der Grundschule unterrichtet und ansonsten spricht man hier schweizerdeutsch und nicht Italienisch wie unsere lieben Mailänderli offensichtlich annehmen. Um vorab noch eines klar zu stellen, ich spreche hier ausschliesslich über Norditaliener. Wie die Süditaliener das sehen, ist mir eigentlich scheissegal. Denn diese invadieren das Engadin in der Neujahrszeit nicht so penetrant wie die Comonesen und Milanesen, welche hier einmarschieren mit toten Pelztieren im Gepäck und ihrem unwiderstehlichen Charme, den sie allerdings jedes Mal im Hotelzimmer liegen lassen wenn sie aus dem Haus gehen.

Worauf ich hinaus will? Eigentlich weiss ich das auch nicht so genau. Vielleicht möchte ich nur ein bisschen Dampf ablassen, denn ich spreche kein Italienisch, aber das ist den Italienern egal. Sie quasseln einfach mal drauf los, und wenn man sie fragt ob sie Deutsch oder Englisch sprechen sagen sie Nein und schauen dich entsetzt an: „Wie können sie nur?“ Ich mag diejenigen am liebsten, die ins Bad kommen, mich auf Italienisch zutexten, und wenn ich dann, weil ich nichts verstanden habe auf Englisch weiterspreche, mir ins Gesicht sagen: „Sie können auch schweizerdeutsch mit mir sprechen.“ – Arschloch.

Grundsätzlich finde ich italienisch eine schöne Sprache und ich würde es wirklich gerne sprechen können, kann es aber einfach nicht. Doch nachdem ich seit einen Monat jeden einzelnen Italiener in seinem enthusiastischen Redefluss unterbrechen muss mit: „Eh inglese o tedesco?“ und dann noch halbentsetzte Blicke ihrerseits ertragen muss, hat diese Sprache für mich ein bisschen an Glanz verloren. Das positive an der ganzen Geschichte ist jedoch: Ich weiss jetzt das „Asciugamano“ Handtuch bedeutet - grazie mille.

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