Mittwoch, 3. Februar 2010

Wie steht Gott zu Alkohol?

Glaubensfragen sind heikle Fragen und geben doch die spannendsten Diskussionen. Ich bin vor kurzem in den Genuss eines solchen das Bewusstsein erweiternden Meinungsaustausches gekommen. Und das direkt vor meiner Wohnungstür. Ist das nicht toll? Ein paar Zeugen Gottes haben sich die Mühe gemacht an meine Haustür zu klopfen, mit dem Ziel mich Gott näher zu bringen – oder so. Na dann viel Glück, dachte ich. Ich glaube nicht an Gott in Form eines alten Mannes mit weissem Bart, der die Erde erschaffen hat und bestimmt wer in den Himmel und wer in die Hölle kommen soll. Und mit ein paar Versen aus der Bibel ändert sich das auch nicht so schnell zwischen Tür und Angel. Ich wollte mich daher zuerst gar nicht darauf einlassen, habe meine Meinung dann allerdings noch geändert. Ich dachte das könnte noch witzig werden. Und ehrlich gesagt, kam es mir auch gerade recht, denn ich sass schon viel zu lange an meinem Schreibtisch mit leerem Blick in den Bildschirm, doch mit der guten Absicht meinen Verpflichtungen als Studentin endlich nachzukommen, dass es schon fast ein bisschen peinlich wurde.

Ihre erste Frage war: Ob ich glaube, dass Jesus zurück kommt und uns alle rettet, bevor wir die Welt ganz zu Grunde richten? Das fängt ja schon gut an, dachte ich. Ich kann diese Haltung nicht verstehen; wir müssen keine Verantwortung für nichts übernehmen, da Gott uns vor allem Bösen schützt, wenn wir auch nur genügend „Ave Marias“ und „Vater unser“ sprechen. Wieso müssen wir uns auch, um unseren Planeten und die Menschen, die darauf leben, kümmern? Jesus kommt ja bald und biegt es wieder grade. Das bringt mich Gott etwa so nah, wie einem frisch explodierten Atomkraftwerk. Der Glaube an etwas ist im Grunde was Schönes und hilft vielen Menschen in schwierigen Zeiten. Doch die Bibel missbraucht diesen und schreibt einem vor wie man zu glauben hat, sodass Gott dich liebt und beschützt. Das ist doch scheisse. Wie der Rapper Greis so schön besingt: Wir sind zuständig für das, was passiert und bestimmen wies weitergeht. Und jeder der weiss, was passiert und sich nicht betroffen fühlt, ist Teil vom Problem. Viele weitere Weisheiten aus der Bibel und ein paar kleine bescheidene Rückfragen meinerseits später, hat die Dame dann eingesehen, dass ich wohl nicht zu den von „Gott Beschützten“ gehöre, und fand den Weg hinaus.

Nachdem sie gegangen war, fragte ich mich: Wieso klopfen eigentlich keine Atheisten an Haustüren? Das wäre mal was Neues. Dann würden vielleicht auch diese ignoranten, vom Pferd gefallenen, Sekt(en)-Flaschen einmal merken, dass sie lästig sind wie Essensreste zwischen zwei Backenzähnen. Selbst wenn es irgendwie seinen Reiz hat, zu schauen wie lange man benötigt, um diese Gottesgeschöpfe wieder loszuwerden und es einen Heidenspass macht sich auf sinnlose Diskussionen einzulassen. Diesmal dauerte es rund 15 Minuten bis zum Aus. Und zum Schluss habe ich sogar noch eine Broschüre bekommen, mit dem Titel: „Wie steht Gott zum Alkohol?“ Ich konnte es natürlich nicht lassen diesen Artikel zu lesen, in welchem so nette Sachen stehen wie: Trinker werden nicht in Gottes neue Welt kommen und die Bibel verurteilt Sauforgien und Fressgelage. Ich dachte immer Gott urteilt nicht? Mein Fehler.

Zum Schluss gab’s da noch so einen tollen Selbsttest mit dem Titel: Auf dem Weg zur Abhängigkeit? Konnte man eine oder mehrere Fragen mit Ja beantworten, sollte man vielleicht etwas unternehmen. Frage eins: Trinke ich öfter als früher? Ja. Trinke ich härtere Sachen? Ja. Greife ich zu Alkohol, um mit Problemen und Stress fertig zu werden? Kann vorkommen – na dann Prost und Amen.

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