Ich bin damit aufgewachsen, Wünsche ins Universum zu schicken. Den Meisten muss es dort so gut gefallen haben, dass sie auch gleich geblieben sind. Ich warte jedenfalls immer noch auf mein Barbie Traumschiff und die Kinderküche aus dem Spielzeugkatalog.
Meine Mutter pflegte zu sagen: „Du musst deine Wünsche visualisieren und sie dir klar vor Augen halten.“ Toll gesagt, doch ich hatte das Barbie Traumschiff sehr wohl visualisiert und mir mit dem Mixer auf dem Oberdeck in Gedanken schon die abgefahrensten Shakes gemixt. Im Nachhinein muss ich sagen, ich hätte mir das Traumschiff genauso gut auf die Stirn klatschen und das Universum mit Wünschen bombardieren können, ich hätte es sowieso nie bekommen. Denn es widerstrebte den idealistischen Wertvorstellungen meiner lieben Frau Mamma, mir ein Traumschiff von Barbie zu kaufen, doch spielen durfte ich damit. Ich und meine Schwester hatten sogar ein paar Barbie-Puppen, allerdings nur second hand von unseren Italo-Freundinnen, bei welchen zu Hause das gesamte Barbie Sortiment vertreten war. Wenn es für den neusten Bauarbeiter Ken und die Meerjungfrau Barbie neuen Stauraum brauchte, bekamen wir ihre Auslaufmodelle geschenkt. Das war ok, nur selber kaufen ging nicht.
Dieselbe Logik verfolgte meine Mutter zu meinen Teenager Zeiten weiter. Zum Beispiel durfte ich mir nichts zu kiffen kaufen – logisch – ich sollte es lieber selber anbauen. Zu ihren Zeiten hatte das Anbauen von Marijuana noch eine politische Note und zudem weiss man heute auch nicht mehr, was da wirklich drin ist – auch wahr. Doch sie hatte sich noch selber getoppt: Als ich sechzehn war, hat sie mir, anstatt an Parties zu gehen und Geld auszugeben (in ihren Augen völliger Blödsinn), allen Ernstes empfohlen, Häuser zu besetzen. Was für eine Alternative.
Heute spiele ich nicht mehr mit Barbies und baue auch kein Gras an. Dafür sende ich immer noch unermüdlich Wünsche ans Universum – ohne Erfolg.
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