Mittwoch, 23. September 2009

Murphy’s Law - oder ich und mein Butterbrot

Es gibt gute Tage und es gibt schlechte Tage und dann gibt’s da noch die fiesen Tage. Letztens hatte ich so einen fiesen Tag. Wahrscheinlich bin ich schon mit dem falschen Bein aufgestanden, obwohl ich nicht an falsche Beine glaube, höchstens an cellulitefreie Beine. Doch dieser Glaube lässt einen auch öfters im Stich – item.

Nach einem Wochenende in Basel fuhr ich wieder nach Hause ins Engadin. Am nächsten Tag musste ich in Bever am Engadiner Sommerlauf arbeiten. Ich nahm gegen Abend den IC nach Chur, um danach nochmals eindreiviertel Stunden in der legendären Rhätischen Bahn verbringen zu dürfen. Die tuckert dann friedlich und ganz gelassen über Berg und Tal, und fühlt sich dabei an wie eine alte Waschmaschine im Endschleudergang. Als der Zug in Landquart einfuhr, kam die übliche Durchsage: „Umsteigen in Richtung Davos, Klosters, Scuol-Tarasp und St. Moritz.“ Eine leise Vermutung liess mich da schon ahnen, dass ich vielleicht hier umsteigen sollte und nicht wie gewöhnlich in Chur. Ich ging deshalb auch kurz zur Tür raus, um mich zu vergewissern und schaute mich nach einem SBB-ler um. Der einzige den ich sehen konnte, pfiff gerade den „Zurabfahrtbereitpfeifer“. Ich entschied mich kurzerhand weiter nach Chur zu fahren und dort, wie gewöhnlich, umzusteigen. Ich glaubte mich vage daran zu erinnern, dass der letzte Zug in Richtung St. Moritz um Zehn fährt, und ich würde zehn Minuten vorher ankommen. Doch das mit dem Glauben ist so eine Sache. Man glaubt zu glauben, doch hofft man eher. Als ich in Chur ankam, erwarteten mich nur leere Anzeigetafeln, mit einer Ausnahme – dem Zug zurück nach Basel. Na gut, es war Zehn, ich sass in Chur, kam nicht weiter und musste am nächsten Tag um zehn Uhr morgens zur Arbeit. Dazu kommt, dass ich gerade mal noch siebzehn Franken hatte und der Akku meines Handys leer war. Ich konnte also kein Hotel nehmen, geschweige denn den Zug am nächsten Morgen bezahlen. Jemanden anrufen, der jemanden in Chur kennt, bei dem ich allfällig hätte übernachten können, ging auch nicht, da ich ja keinen Akku hatte. Mir blieb also nichts anderes übrig, als mit dem letzten Zug wieder zurück nach Basel zu fahren und ein Taxi zu meiner Mutter nach Hause zu nehmen - welches wohlgemerkt exakt siebzehn Franken kostete. Zu guter Letzt habe ich dann am nächsten Morgen verschlafen und bin schlussendlich mit einer Verspätung von zweieinhalb Stunden in Bever angekommen – wohl bekomm das Butterbrot!

Mittwoch, 16. September 2009

Schwein gehabt!

Zurzeit liege ich mit Grippe im Bett. Meine Nase läuft mit Herrn Bolt um die Wette und mein Kopf ist schwer, pocht und gelegentlich überkommt mich ein krampfender Schmerz, wie wenn eine alte Waschfrau ihr Nachthemd auswringen würde. Das ist aber nicht mal das Schlimmste, viel schlimmer ist die Langeweile. Man wünscht sich immer mehr Zeit zu haben, um den schönen Dingen des Lebens zu frönen. Ist man krank, hat man die Zeit, doch nicht die Kraft. Man liegt den ganzen Tag wie gefesselt im Bett und alles wird zu einer Kraftprobe. Zum Beispiel Teewasserkochen oder der Gang zur Toilette und von einer Dusche ist schon gar nicht zu sprechen.

Für Serienjunkies bietet sich allerdings die Gelegenheit, sich den lieben langen Tag durch alle Staffeln zu fressen. Dumm nur, wenn diese plötzlich ein Ende nehmen. Ich oute mich hiermit offiziell als eine von ihnen, die kurz vor einem kalten Entzug steht. Grey’s Anatomy, Private Practice, Scrubs, 24 und zu guter Letzt meine neuste Entdeckung Psych - alles schon gesehen. Ich bin schneller als die Filmemacher in Hollywood. Um das schlimmste zu vermeiden, habe ich mich mit meiner Leidensgenossin Kyra verbündet, um Ware auszutauschen. Jetzt habe ich noch mindestens Eintag Zeit, bis ich mir die erste Staffel The Mentalist reingezogen habe, und Nachschub besorgen muss. Zum guten Glück vertraue ich auf die 9-Tage-Regel: Zuerst ist man Dreitage angeschlagen, dann Dreitage krank und nach weiteren Dreitagen genesen. Tag Sieben habe ich schon erreicht. Und ach ja – von einem rosa Ringelschwänzchen blieb ich auch verschont.

Mittwoch, 9. September 2009

Die Kunst des gekonnten Abgangs

Wer kennt das nicht: Du stehst an der Bar eines Nachtclubs, nippst an deiner Cola – für etwas mit Schuss ist dir das Geld zu schade – und überlegst schon, ob du zu Fuss nach Hause gehst, oder doch lieber ein Taxi nimmst. Obwohl dein Stimmungsbarometer in etwa auf der Höhe eines Tiefseetauchers ist und du ausgeschlossen hast, dass ein Dreier mit Jack und Johnny, ausser Schädelbrummen am nächsten Tag, nichts bewirken wird, hindert dich trotzdem etwas daran, als Erste nach Hause zu gehen. Ausser dir denkt sowieso noch niemand nur im Geringsten daran - fünfhundert Jahre Freitag will ja auch gefeiert werden. Tja der gekonnte Abgang ist definitiv eine Kunst - zu Recht. Im Normalfall, ist es ja auch ein langer Weg für die Botschaft „bloss raus hier“ vom Kopf bis zu den Füssen, und in der Zwischenzeit steht man sich gerne selbst im Weg. Ich kenne mich da aus, denn ich bin Profi im nicht nach Hause gehen, aber schon lange wollen. Ich bleibe lieber sitzen und denke mir aus, was ich morgen alles erledigen könnte, wenn ich jetzt und genau jetzt gehe. Bekanntlich ist ja Einsicht der erste Schritt zur Besserung – und Tschüss!